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TBB-TIPP 02/26 Richtiger Umgang mit tiefen Milchpreisen und Überproduktion

Angespannter Milchmarkt – jetzt die richtigen Entscheidungen treffen

Die Lage auf dem Milchmarkt ist aktuell angespannt. Der Richtpreis sinkt und viele Abnehmer führen zusätzliche Restriktionen bei Überlieferungen ein. Doch welche Strategien sind in dieser Situation wirklich sinnvoll – und welche werden schnell teuer?

Im Folgenden zeigen wir auf, worauf es jetzt ankommt.


Sinkender Milcherlös – fixe Kosten bleiben

Ein tieferer Milcherlös stellt die meisten Milchviehhalter vor grosse Herausforderungen. Die Einnahmen sinken, die Kosten bleiben. Das liegt daran, dass die Milchproduktion einen hohen Anteil an Fixkosten aufweist – und Investitionen immer in Vorleistung erfolgen.

Beispiel: Die Maissaat verursacht im April Kosten, der letzte Milcherlös daraus fliesst erst im September des Folgejahres.

Gerade in solchen Phasen ist eine solide Liquiditätsplanung unerlässlich:

  • Welche Ausgaben sind entscheidend für den Erfolg?

  • Wo bestehen echte Sparpotenziale?

  • Welche Investitionen können vertagt werden?

  • Wo drohen versteckte Folgekosten?

Um Preisabzüge zu vermeiden, versuchen einige Betriebe zusätzlich, ihre Milchmenge zu reduzieren. Doch hier ist Vorsicht geboten.


Milchmenge drosseln – wenn, dann richtig

Bei vielen Lieferanten werden überlieferte Mengen aktuell als C-Milch (ca. 15 Rp./kg) vergütet. Allein die Futterkosten liegen jedoch bei mindestens 22 Rp./kg Milch.

Fazit: In den meisten Fällen ist es nicht wirtschaftlich, Milch zu C-Konditionen zu produzieren.

Für eine Reduktion der Milchmenge gibt es verschiedene Ansätze – nicht alle sind sinnvoll.


❌ Keine pauschale Reduktion der Kraftfuttermenge

Von einer generellen Reduktion der Kraftfuttermittel raten wir klar ab.

Die Wiederkäuerfütterung ist ein komplexes System, bei dem viele Zahnräder ineinandergreifen. Eine temporäre Reduktion der Energiedichte senkt zwar Milchmenge und Kraftfutterkosten – jedoch häufig nicht ohne Folgen für Tiergesundheit und Leistung.

Mögliche Konsequenzen:

  • Ketosen

  • Stoffwechselstörungen

  • Klauenprobleme

  • Leistungsabfall

  • Fruchtbarkeitsprobleme

Die Folgekosten solcher «Sparmassnahmen» liegen meist deutlich höher als die kurzfristige Einsparung.


✅ Vollmilch an Kälber vertränken

Betriebe, die normalerweise mit Milchaustauscher arbeiten, können temporär Vollmilch einsetzen.

Wichtig bleibt dabei eine optimale Kälberversorgung. Je nach Situation kann der Einsatz eines Vollmilchaufwerters sinnvoll sein.

Diese Strategie ermöglicht eine Mengenreduktion ohne negative Auswirkungen auf die Herde.


✅ Tierbestand gezielt reduzieren

Für eine temporäre Reduktion der Milchmenge ist der Verkauf einzelner Tiere oft eine sehr sinnvolle Option.

Während der Markt für Zucht- und Nutzvieh aktuell eher stockt, bewegen sich die Preise für Schlachtvieh noch auf einem guten Niveau.

Vorteile:

  • Einsparung von Futterkosten

  • Reduktion von Einstreu- und Nebenkosten

  • Weniger Arbeitsaufwand

  • Teilweise sogar Leistungsanstieg bei zuvor hoher Belegungsdichte

  • Verbesserte Tiergesundheit durch geringeren Stallbesatz

Wichtig: Diese Strategie erfolgt nicht auf Kosten der Tiergesundheit und verursacht keine Folgekosten.

Nachteil: Der Wiederaufbau des Bestandes braucht Zeit – insbesondere bei Remontierung aus eigener Nachzucht. Zukäufe sind mit Risiken und zusätzlichen Kosten verbunden.


Wenn keine Alternative besteht

Kann weder zusätzliche Milch an Kälber verfüttert noch der Tierbestand reduziert werden, sollte vor einer Anpassung der Kraftfuttermenge unbedingt Rücksprache mit dem Futterberater gehalten werden.

Eine unkontrollierte Reduktion der Energiedichte kann schnell teure Gesundheitsprobleme verursachen.

Ist keine andere Lösung möglich, muss der Verkauf von Milch zu tieferen Konditionen unter betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten geprüft werden.


Wirtschaftlichkeit prüfen – bevor es eng wird

Unsicher, wie wirtschaftlich dein Milchviehbetrieb aktuell aufgestellt ist?

Dann nutze hier den TBB-DairyCheck auf unserer Website und verschaffe dir eine klare Entscheidungsgrundlage. Gerade in angespannten Marktphasen entscheidet eine nüchterne Analyse über Stabilität oder Liquiditätsdruck.


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