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TBB-TIPP 08/26 Ventilation im Stall - Darauf kommt es an.

Während wir den Sommer geniessen, geraten unsere Milchkühe längst unbemerkt an ihre Grenzen. Als echte Hochleistungssportler fängt für sie der Hitzestress nämlich schon bei vermeintlich milden 20 °C an – mit oft fatalen, unsichtbaren Folgen für die Pansenbiologie und die Darmgesundheit. Wie du mit einer funktionierenden Klimatisierung dem Hitzestress vorbeugen kannst, erfährst du in diesem Tipp.


Milchkühe sind Hochleistungssportler – und Hitze setzt ihnen deutlich früher zu als dem Menschen. Bereits ab etwa 20 bis 25 °C, abhängig von der Luftfeuchtigkeit, geraten Kühe in Hitzestress. Aussagekräftiger als die Temperatur allein ist deshalb der Temperature-Humidity-Index (THI), der Temperatur und Luftfeuchtigkeit kombiniert. Bereits ab einem THI von etwa 68 können insbesondere hochleistende Milchkühe erste Anzeichen von Hitzestress zeigen. Die Folgen sind bekannt: geringere Futteraufnahme, sinkende Milchleistung, Fruchtbarkeitsprobleme und eine höhere Anfälligkeit für Krankheiten.

Ausserdem haben wir auf einigen Betrieben in den letzten Wochen Kühe mit deutlichen Milchleistungsrückgängen und Durchfall beobachtet. Eine mögliche Ursache ist – insbesondere in Melkroboterbetrieben – die verminderte TS-Aufnahme am Futtertisch bei gleichzeitig unveränderter Kraftfutterzuteilung am Roboter. Das kann das Risiko einer Pansenübersäuerung (SARA) erhöhen.

Darüber hinaus kann Hitzestress die Darmgesundheit auch direkt beeinträchtigen. Um überschüssige Wärme abzugeben, wird die Durchblutung verstärkt zur Haut umgeleitet. Dadurch wird der Darm schlechter durchblutet, die Darmbarriere kann geschwächt werden und Entzündungsprozesse werden begünstigt. Die Folge können Verdauungsstörungen bis hin zu Durchfall sein.

Eine konsequente Klimaoptimierung mit guter Belüftung, ausreichender Luftbewegung und jederzeit verfügbarem Wasser ist daher ein wesentlicher Baustein, um Leistungseinbußen und Verdauungsstörungen während Hitzeperioden vorzubeugen.

Häufig werden zur Kühlung ausschliesslich Sprinkler- oder Vernebelungsanlagen eingesetzt. Diese sorgen zwar kurzfristig für Abkühlung, sind alleine jedoch keine optimale Lösung. Ohne ausreichende Luftbewegung steigt die Luftfeuchtigkeit im Stall, wodurch die Verdunstungskühlung der Tiere deutlich schlechter funktioniert. Gleichzeitig trocknen Liegeflächen langsamer ab, was die Stallhygiene verschlechtert und das Risiko für Eutererkrankungen erhöhen kann.

Die nachhaltigste Lösung ist deshalb eine professionell geplante Stalllüftung. Leistungsstarke Ventilatoren erzeugen eine gleichmässige Luftbewegung und unterstützen die natürliche Wärmeabgabe der Kühe. Ziel ist eine Luftgeschwindigkeit von rund 2 bis 3 m/s im Tierbereich – also genau dort, wo die Tiere fressen und liegen.

Damit eine Lüftungsanlage ihre Wirkung entfalten kann, müssen Anzahl, Grösse und Anordnung der Ventilatoren sorgfältig geplant werden. Stallbreite, Dachhöhe, Luftführung und Tierbestand bestimmen, wie viele Ventilatoren erforderlich sind und in welchen Abständen sie installiert werden. Eine pauschale Lösung gibt es nicht.

Ebenso wichtig ist eine temperatur- oder THI-gesteuerte Regelung. So wird die Ventilation automatisch an die Witterung angepasst. Das reduziert den Hitzestress, verbessert das Stallklima und spart gleichzeitig Energie.


Zu sehen ist eine Kuh, welche mit den Vorderbeinen in einer Tränke steht.
Ohne funktionierende Lüftung suchen die Tiere nach anderen Methoden zur Abkühlung...


TBB empfiehlt: Bereits bei der Planung eines Neu- oder Umbaus sollte der Stalllüftung höchste Priorität eingeräumt werden. Eine fachgerecht dimensionierte und automatisch geregelte Ventilation verbessert das Tierwohl nachhaltig, stabilisiert die Milchleistung und trägt wesentlich zur Gesunderhaltung der Herde bei.


TBB-Praxistipp

·         Hitzestress beginnt bereits ab ca. 20–25 °C (je nach Luftfeuchtigkeit).

·         Ziel-Luftgeschwindigkeit im Tierbereich: 2–3 m/s.

·         Die Luft muss an der Kuh ankommen – nicht unter dem Dach.

·         Ventilatoren immer temperatur- bzw. THI-gesteuert betreiben.

Die Dimensionierung gehört in Fachhände – jeder Stall stellt andere Anforderungen

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